Ein Klaps schadet nicht?

Aber was ändert dieser Schlag in der Beziehung zwischen Mutter/Vater und Kind? Das Kind versteht unter Umständen noch gar nicht warum es diesen Schlag bekommt. Es erfährt Schmerzen, kann diese aber in keinen Kausalzusammenhang setzen und empfindet somit nur die Ablehnung durch das Elternteil. Es weiß nicht wieso Mama oder Papa auf einmal mit Gewalt reagieren und ist erst einmal verstört, weint, läuft evt weg. Wenn Eltern mit Gewalt auf die Exzesse ihrer Kinder reagieren, geht es darum, dass das Elternteil sich seiner Machtposition versichert. Meist passiert dies in einem Moment der Hilflosigkeit, wenn das Kleinkind ein geliebtes Stück im Haushalt zerstört und / oder anderweitig entfremdet / verschönert hat. Aus anthroposophischer Sicht kann ich das absolut nachvollziehen und manchmal bin ich nahe am Rand, selbst über diese Schwelle zu gehen und zumindest die Stimme zu erheben.

Ich liebe den Artikel von Maja und ihrem Pusteblumenbaby über das Thema Schlagen – sie verlinkt unter anderem ein Video, dass eine Mutter von ihren zwei Kindern aufgenommen hat. Sie kommt in die vollkommen mit einer weißen Schicht überzogene Wohnung und sieht nach einiger Suche wie ihre zwei Kinder im Wohnzimmer dieses weiße Pulver in alles (Teppich, Möbel Wände, etc) „einarbeiten“ und bleibt dennoch so ruhig, dass es schon fast unheimlich ist. Sie fragt was passiert sei und geht filmend durch die Wohnung. Fast scheint es als stehe sie unter Schock und tatsächlich würde es mir bei einem solchen Anblick ähnlich ergehen. Das Ausmaß der Verwüstung ist unglaublich und ich selbst habe mit unserem Zwerg etwas Gleichartiges bisher nicht erleben müssen.

Der Punkt ist, dass es absolut richtig ist, dass eine gewaltfreie Kindheit (und darüber hinaus gilt dies natürlich auch für Heranwachsender, Teenager und auch alle Erwachsenen) ein absolutes Muss ist, welches gesetzlich verankert sein sollte. Inwiefern ein Verstoß geahndet werden kann, sei einmal dahingestellt, denn ein kleines Kind, dass sich nicht einmal mit seinen Eltern verständigen kann, kann auch nicht gegen diese aussagen. Auch später wird ein Kind dies in den wenigsten Fällen gegen die Eltern aussagen. Wie also gewalttätige Eltern erkennen, wann einschreiten und wie? Wie kann das Jugendamt helfen, denn die Erinnerungsbriefe für die U-Untersuchungen sind bei Weitem nicht ausreichend. Fragen, die die deutsche Politik klären muss, aber auch wie man überfoderte Eltern unterstützen kann.

Es muss möglich sein, sich Hilfe zu holen ohne vorwurfsvoll angeschaut zu werden und es muss entsprechend viele Angebote geben um Eltern zu unterstützen. Ich denke, ein richtiger Ansatz ist, die Eltern bereits durch die Hebammen vor, während und deutlich länger als die paar Wochen nach der Geburt zu betreuen. Besuche einer Hebamme in unregelmäßigen aber geplanten Abständen und Angebote von Krankenhäusern (Kurse über frühkindliche Entwicklung und Erziehungsmethoden, Hilfe bei „Problemkindern“ u.ä.) könnten einen Teil der Eltern davor bewahren ihrem Kind Gewalt anzutun – in welcher Form auch immer.

 

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